Kursindikationen von der Deutschen Bank in Zusammenarbeit mit boerse-social.com

Börse Stuttgart eröffnet Kryptohandel

Ein Gastbeitrag von Stefan Müller

Donnerstag geht in Stuttgart mit der Plattform „Bison“ der erste Handelsplatz für Kryptowährungen, die von einem Börsenbetreiber reguliert wird, an den Start. Für die Stuttgarter Börse ist es eine Wette auf die Zukunft. Wird es am Ende gelingen, einen vertrauenswürdigen Handelsplatz aufzubauen, der Krypto-Fans begeistert, so wäre es durchaus denkbar, dass die digitalen Währungen im Anlagemainstream ankommen.

In Stuttgart spricht man bereits von der sogenannten "Tokenisierung"

Alexander Höptner, der seit einem Jahr der Chef der Stuttgarter Börse ist, gilt als digitaler Vordenker. War er zu Beginn seiner Laufbahn für die IT bei der Deutschen Börse zuständig, so gründete er nach seinem Ausscheiden direkt zwei Start-ups und schuf in weiterer Folge einen Marktplatz für virtuelle Güter. „Kryptowährungen sind sehr wohl ein Teil der Stuttgarter DNA“, so Höptner. „Wir sind eine deutsche Privatanlegerbörse. Das heißt, hier gibt es eine klare Abgrenzung zwischen uns und den anderen Wettbewerbern. Immer wieder haben wir überlegt, welche Produkte die Finanzindustrie möchte. Nun sind wir aber mehr bei der Frage angekommen, was die Kunden wollen. Jetzt haben wir die einmalige Chance, im Zuge der nächsten technologischen Umwälzung, der sogenannten Tokenisierung, an die Spitze zu gelangen.“ Bei der Tokenisierung handelt es sich um die Umwandlung realer Assets, beispielsweise Wertpapiere oder auch Geld, in die virtuelle Form.

Digitale Währungen sollen ansprechender werden

Die Macher hinter Bison verfolgen große Pläne: Innerhalb von drei Monaten will man eine fünfstellige Nutzerzahl verbuchen - binnen eines Jahres soll die Zahl sechsstellig sein. Bei Bison kann man über eine Smartphone-App mit den Kryptowährungen Bitcoin, Litecoin, Ripple wie Ethereum handeln. Interessant sind vor allem die Zusatzfunktionen: Mit dem „Cryptoradar“ sollen aus Social Media-Posts etwaige Kurstrends herausgelesen werden; eine Transaktionsübersicht hilft etwa bei der Steuererklärung. „Der automatisierte Handel mit digitalen Währungen soll so einfach wie möglich werden“, so das Team des Bison-Entwicklers Sowa Labs. Das Unternehmen wurde von der Stuttgarter Börse im Jahr 2017 für einen einstelligen Millionenbetrag gekauft.

Warum sollten sich deutsche Trader für "Bison" entscheiden?

Die US Kryptoplattformen Kraken wie Bitstamp fungieren als Partner. Das heißt, der eigentliche Handel wird in den USA stattfinden - zumindest bezieht Bison von dort die Kurse. Der Handelspartner der Kunden ist Euwax, die Stuttgarter Börse-Tochter, die in diesem Fall als Eigenhändler auftritt. Dabei garantiert sie den in der App angezeigten Preis - die Dauer der Preisanzeige beläuft sich auf zehn Sekunden. Die Münzen werden, sofern vom Trader gewünscht, dann von Blackknox, einer neugegründeten Tochter, verwahrt oder auch ausbezahlt.

Doch weshalb sollte man sich jetzt für Bison entscheiden, wenn auch der Handel bei der US Konkurrenz möglich ist? „Wir wissen, dass das Nutzererlebnis oft nicht optimal ist. Entscheidet man sich für unser Angebot, so muss man das Geld nicht in das Ausland überweisen, sondern auf ein deutsches Konto. Wir kümmern uns um die sichere Verwahrung, sodass die Kunden auch keine eigene Wallet brauchen. Des Weiteren bewegen sich die Trader im regulatorischen wie auch rechtlichen Rahmen Deutschlands“, so Spankowski, der Geschäftsführer von Sowa Labs.

Deutsche Börse bleibt noch zurückhaltend

Zu beachten ist, dass es für Krypto-Einlagen bei Bison keine Garantien oder auch Einlagensicherungen gibt. Kommt es etwa zum Hacker-Angriff, so wird immer im Einzelfall geprüft, ob es eine Entschädigung gibt und in welcher Höhe diese ausfallen wird. Die gesetzliche Einlagensicherung gilt nur für das von der Solarisbank verwaltete Euro-Guthaben.

Natürlich wird der Einstieg in den Krypto-Markt auch von der Konkurrenz beobachtet. Die Deutsche Börse, der größte Mitbewerber, bleibt zurückhaltend. „Bislang haben wir uns bewusst zurückgehalten, weil der Großteil der Geschäfte im unregulierten Bereich stattfindet“, so Vorstandschef Theodor Weimer.

Die Bitcoin Group, geführt von Oliver Flaskämper, ist bislang der einzige deutsche Marktplatz für digitale Währungen. Bislang tritt man hier nur in der Rolle des Vermittlers auf - das soll sich 2019 aber ändern, weil der Start des Eigenhandels geplant wird. „Sicherheit ist mit Abstand das wichtigste Thema. Da sich niemand einen Skandal leisten kann, gehen wir davon aus, dass sich die Stuttgarter Börse besonders intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt hat“, so Flaskämper.

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