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Bitcoin ETP: Anatomie einer Börsentransaktion

Ein Gastbeitrag von Dino Bozzi

Goldene Münze mit Bitcoin Symbol

Für einen aktiven Anleger erscheint der Kauf eines Bitcoin ETP einfach: ein paar Klicks auf einer Broker-Plattform und die Position ist eröffnet. Die tatsächliche Performance dieser Transaktion hängt jedoch nicht nur von der Entwicklung eines so volatilen Vermögenswerts wie Bitcoin ab, sondern auch von einer Reihe von Faktoren der Marktmikrostruktur.

Dieser Artikel stellt daher keine Anlageberatung dar, sondern soll vielmehr die Anatomie einer ETP-Transaktion mit Ihnen entschlüsseln: von der Entstehung der Liquidität über die Kostenkontrolle bis hin zu optimalen Ausführungsstrategien.

Es ist für uns unerlässlich, daran zu erinnern, dass ETPs auf Kryptowährungen hochriskante Anlagen sind, bei denen das Kapital gefährdet ist. Hier ist ein umfassender Leitfaden, der Ihnen helfen soll, fundierte Entscheidungen zu treffen, falls Sie sich dennoch entscheiden sollten, sich diesem Risiko auszusetzen.

Schritt 1: die Wahl des Spielfelds – die Handelsplätze

Die erste Entscheidung, die oft implizit getroffen wird, ist die Wahl des Handelsplatzes. Ein Bitcoin ETP ist in der Regel an mehreren Börsen notiert. In Deutschland und der Schweiz sind die wichtigsten Xetra, Börse Frankfurt, Gettex oder BX Swiss. Diese Plätze sind nicht austauschbar.

Xetra, eine bedeutende elektronische Plattform, bündelt oft die größten Volumina und damit die tiefste Liquidität für ETPs. Wenn Ihr Broker Ihnen die Wahl des Handelsplatzes überlässt, ist dies ein erster Hebel, um Zugang zu den besten Marktbedingungen zu erhalten.

Schritt 2: Analyse des Orderbuchs, Spreads und Tiefe

Sobald man sich am richtigen Handelsplatz befindet, richtet sich der Kern der Analyse auf das Orderbuch. Hier wird die Liquidität durch zwei wichtige Indikatoren sichtbar:

Einerseits der Spread:

Die direkten Kosten einer Transaktion manifestieren sich im Spread, also der Differenz zwischen dem besten Kauf- (Bid) und Verkaufsangebot (Ask). Diese Spanne wird von einem oder mehreren Market Makern (Market Maker) aufrechterhalten.

Ihre Aufgabe ist es, die Brücke zwischen der Liquidität von Bitcoin an den 24/7-Kryptomärkten und der des ETPs während der Börsenhandelszeiten zu schlagen. Der Spread des ETPs spiegelt daher den Spread des zugrunde liegenden Bitcoins wider, erhöht um eine Risikoprämie für den Market Maker. Ein enger Spread zeugt von hoher Liquidität und einem gesunden Wettbewerb unter den Market Makern.

Andererseits die Tiefe:

Nur auf den Spread zu schauen, ist nicht ausreichend. Tatsächlich ist die Markttiefe – die Menge an Wertpapieren, die zu den besten Preisen verfügbar sind – ebenso entscheidend. Ein "tiefes" Orderbuch bedeutet, dass Sie eine große Order ausführen können, ohne den Preis zu bewegen. Dies ist die Garantie für eine qualitativ hochwertige Ausführung mit geringer Marktauswirkung. Man nennt dies Slippage.

Schritt 3: Definition der Ausführungsstrategie – Handelszeiten, Volatilität und Orders

Sind diese Grundlagen geschaffen, sind auch das „Wann" und „Wie" der Order entscheidend. Die Liquidität eines ETPs erreicht ihren Höhepunkt in der Regel während der Öffnungszeiten der europäischen Börsen, synchron zur maximalen Liquidität seiner eigenen Märkte. Außerhalb dieser Zeiten, nämlich 9:00-17:30 Uhr MEZ, schlägt sich die Unsicherheit über den Preis des Basiswerts direkt in den Spreads des ETPs nieder, die sich ausweiten.

Die Volatilität von Bitcoin ist ein weiterer kritischer Faktor. In Zeiten starker Turbulenzen erhöhen die Market Maker ihre Spreads, um sich zu schützen. In diesem Kontext ist von der Nutzung einer Market-Order abzuraten. Es ist vorzuziehen, eine Limit-Order zu verwenden, die einen maximalen Kauf- oder minimalen Verkaufspreis festlegt. Das ist die beste Versicherung gegen eine böse Überraschung bei der Ausführung.

Schritt 4: Berechnung der Gesamtkosten der Transaktion

Die Performance eines Trades ist immer nach Abzug der Kosten zu bewerten. Die Kostenanalyse muss daher vollständig sein:

Die Kostenberechnung hängt also von Ihrem Anlagehorizont ab. Kurzfristiges Trading ist anfällig für Transaktionskosten wie Spread und Brokergebühren. Langfristiges Halten wird hingegen vor allem durch die wiederkehrenden Kosten der TER geschmälert.

Abschließende Checkliste vor der Ausführung

Sie haben es verstanden: eine gute Order ist eine gut vorbereitete Order. Vor Ihrer endgültigen Bestätigung finden Sie hier eine praktische Checkliste mit 5 Fragen, die Sie sich systematisch stellen sollten:

  1. Ist der Spread eng? Werfen Sie einen Blick auf das Echtzeit-Orderbuch.
  2. Wie spät ist es? Befinde ich mich im Kern der europäischen Handelssitzung?
  3. Ist der Markt volatil? Wenn ja, ist die Verwendung einer Limit-Order eingerichtet?
  4. Ist meine Ordergröße angemessen? Kann die Markttiefe meine Order ohne Preisverschiebung absorbieren?
  5. An welcher Börse wird meine Order ausgeführt? Habe ich die liquideste gewählt?
Letztendlich bleibt der Kurs von Bitcoin zwar unvorhersehbar, die Qualität der Orderausführung hingegen sollte kein Zufall sein. Das Verständnis der Mikrostruktur eines ETPs verwandelt eine einfache Transaktion in eine kontrollierte Operation. Die Performance baut dann auf Disziplin und der Optimierung jedes einzelnen Basispunktes auf.

In dieser Beherrschung der Details wird das Trading zu einer echten Handwerkskunst, die sowohl auf der Analyse des Anlegers als auch auf der Wahl eines Ausführungspartners beruht, der in der Lage ist, einen direkten und effizienten Zugang zu den liquidesten Orderbüchern zu bieten.

Inhalt des Gastbeitrages wird von BRN AG nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der BRN-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von BRN AG ausdrücklich ausgeschlossen!